Bauen einfach erklärt
Stell dir vor, dein Sohn steht vor dir und fragt dich:
Papa, was ist …?
mündliche Mitschriften von und für Matthias Börner, Sommer 2022
… Bedarfsanalyse und Ableitung der Projektziele?
Wenn Menschen ein Haus bauen wollen, müssen sie sich überlegen, was sie bauen wollen und wie groß das Haus sein soll.
Sie müssen sich fragen:
Wie viele Menschen sollen da wohnen?
Wie alt sind die Menschen?
Gibt es Menschen mit besonderen Bedürfnissen?
Gibt es bestimmte Vorlieben?
Wollen sie viel selber machen?
Welche Materialien bevorzugen sie?
Welche zusätzlichen Funktionen soll das Haus haben?
Was ist im Zusammenhang mit dem Gebäude noch wichtig (wie z. B. Energieverbrauch)?
Aus diesen Fragen schreibe ich eine Zusammenstellung der Wünsche und Bedürfnisse.
Eine Bedarfsanalyse ist also eine Wunschliste, mit der man dann das vorhandene Gebäude/Grundstück abgleichen kann.
Projektziele sind die Einkaufsliste. Was soll da sein, wenn das Projekt fertig ist?
(Ein Haus mit so und so vielen Wohnungen, mit den und den Eigenschaften, gebaut innerhalb dieser Zeit und mit diesem Geld …)
… Formulierung und Abstimmung von Auswahlkriterien für geeignete Liegenschaften?
Jetzt schaue ich, wo das Grundstück/Gebäude liegen sollte.
Was muss in der Nachbarschaft vorhanden sein?
Eine Schule? Ein gutes Umfeld? Ein Supermarkt? Oder du sagst: Ich möchte mit meinem Fahrrad innerhalb von 20 Minuten dort und dort sein …
Warum das wichtig ist?
Damit die Menschen ihre Suche räumlich eingrenzen können. Sie wissen dann:
Diese Eigenschaften finde ich hier und hier. Das ermöglicht eine Aufgabenverteilung innerhalb der Gruppe.
…Unterstützung bei Grundstück- oder Objektsuche?
An welcher Tür kann ich wie klopfen?
Hinter welcher Tür könnte noch ein Weg liegen?
Wie gelingt es, mit Eigentümern ins Gespräch zu kommen?
Ich habe selber an vielen unterschiedlichen Türen geklopft …
deswegen helfe ich Menschen dabei.
… Kommunikationsempfehlung & Konfliktmanagement?
Was ist der Eigentümer für ein Mensch? Wie reagiert er auf eine Anfrage?
Die Menschen müssen gut vorbereitet sein, wenn sie in ein Gespräch gehen.
Der erste Kontakt ist da entscheidend.
… Erfassung von Gebäudezustand und Werthaltigkeit?
Ich schaue mir an, wie das Haus gebaut ist und was repariert werden muss.
Ich schaue auch, was am Haus schon repariert wurde und wo noch versteckte Schäden auftauchen könnten.
Dann schaue ich, ob das alles den Vorschriften entspricht. Es kann nämlich sein, dass man das Haus gar nicht nutzen kann, weil eine Erlaubnis fehlt.
Werthaltigkeit
Menschen bezahlen für das Haus viel Geld.
Wenn der Preis höher ist, als das, was sie bekommen, dann hätten sie ein schlechtes Geschäft gemacht. Deswegen muss man immer schauen, ob der Kaufpreis angemessen ist.
… Recherche und Aufbereitung von Objektunterlagen?
Ich gehe in eine Datenbank. Dort sind die Angaben hinterlegt, die das Grundstück betreffen. Dort kann ich sehen, was und wie groß darauf gebaut werden darf, ob es gestalterische Vorschriften gibt oder bestimmte Regeln eingehalten werden müssen für Natur- und Denkmalschutz.
Dabei versuche ich herauszufinden, welche Entwicklungsabsichten in der Nachbarschaft bestehen. Sollen z. B. Straßen gebaut werden?
Sind andere Veränderungen geplant, die eine Wirkung auf das Grundstück haben? Gibt es Hochwasserschutzmaßnahmen?
Dann schaue ich, ob es auf dem Grundstück etwas gibt, was hohe Kosten verursachen könnte – bestimmte Nachbarrechte, Altlastenverdacht oder Verpflichtungen gegenüber Dritten.
Zuletzt prüfe ich …
… ob von der Straße aus alles gut erreichbar ist und alle Versorgungsleitungen vorhanden sind.
… ob es mögliche Konflikte mit Nachbarinteressen gibt. Z. B. könnte das Gebäude sehr eng an den Nachbarn gebaut worden sein und Brandabstände oder Abstandsflächen wurden berührt.
… ob besondere Bäume, Gehölze oder Gebäude/Gebäudeteile unter Denkmalschutz stehen.
… Aufdecken von Risiken und Chancen zur Kaufentscheidung?
Wenn ich genug Wissen über ein Gebäude zusammengetragen habe, schaue ich, was wir damit machen können …
Ist unsere Einkaufsliste (Projektziele) umsetzbar?
Was ist darüber hinaus noch möglich?
Wofür könnten wir noch eine Baugenehmigung bekommen?
Was erlaubt das Baurecht? Was birgt Risiken?Was könnte den Projekterfolg verhindern?
Was spricht für oder gegen einen Kauf?
… Erfassung von Gestaltungspotenzial?
Dingen ihren Platz zu geben.
Wo könnten alle Dinge von der Einkaufsliste ihren Platz finden?
Wie kann ich die Einkaufsliste in die Tat umsetzen?
Dazu mache ich mir ein Vorstellungsbild und überlege, was alles weggenommen, freigelegt und neu gestaltet werden kann.
Wo sind sonnige Plätze?
Wo sind geschützte Plätze?
Gibt es eine schöne Blickachse?
Was dient mir als Inspiration?
… ein Nutzungskonzept?
Das ist der rote Faden, der das Projekt durchziehen soll.
Ich überlege mir, was in der Bebauung passieren soll und welche Eigenschaften wichtig sind. Das wird in Diagrammen, Tabellen und schematischen Betrachtungen beschrieben.
… Vorplanung und Visualisierung?
Ich überlege mir, wie hoch, wie lang und wie groß der Baukörper sein soll. Ich stelle mir vor, wie das Haus im Grundstück liegt.
Wo kommen die Menschen herein?
Wo parkt das Auto?
Wo ist das Treppenhaus und wo ist der Garten?